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1609
Politik und Weltgeschehen
- Die protestantischen Adligen Böhmens und Schlesiens erreichen, dass Kaiser Rudolf II. ihnen einen Majestätsbrief ausstellt, der ihnen die freie Religionsausübung garantiert
- Johannes Kepler veröffentlicht die beiden ersten Keplerschen Gesetze in der Astronomia nova (Neue Astronomie)
- Erzherzog Albrecht VII. und Isabella ernennen Peter Paul Rubens zum Hofmaler
- Die Amsterdamer Wechselbank wird gegründet
- Galileo Galilei konstruiert in Venedig sein astronomisches Fernrohr
- Samuel de Champlain entdeckt den Champlain-See in den USA
- Henry Hudson, ein englischer Seefahrer, erkundet den Hudson River
- 18. Februar: Edward Hyde, 1. Earl of Clarendon, englischer Staatsmann und Historiker († 1674)
- 21. Februar: Raimund von Montecuccoli, österreichischer Feldherr, Diplomat und Staatsmann († 1680)
- 18. März: Friedrich III. (Dänemark), König von Dänemark und Norwegen von 1648 bis 1670 († 1670)
- 21. März: Johann II. Kasimir, König von Polen († 1672)
- 16. Mai: Kardinalinfant Ferdinand, Kardinal und Feldherr im Dreißigjährigen Krieg († 1641)
- 17. Juni: Johann von Hessen-Braubach, Landgraf und Soldat († 1651)
- 29. Juni: Pierre-Paul Riquet, französischer Ingenieur († 1680)
- 29. Juli: Carlo II. Gonzaga, Regent († 1660)
- 5. Oktober: Paul Fleming, deutscher Arzt und Schriftsteller († 1640)
- 18. Oktober: Josias Rantzau, deutscher Heerführer, Marschall von Frankreich († 1650)
- 15. November: Henrietta Maria von Frankreich, durch ihre Heirat mit Karl I. die Königin von England, Schottland und Irland († 1669)
- 21. Januar: Joseph Justus Scaliger, französischer Wissenschaftler ( - 1540)
- 7. Februar: Ferdinand I. (Toskana), Großherzog von Toskana und wurde 1562 Kardinal ( - 1549)
- 20. Mai: Georg Rollenhagen, deutscher Schriftsteller, Pädagoge und Prediger ( - 1542)
- 15. Juli: Annibale Carracci, italienischer Maler ( - 1560)
- Hans Vredeman de Vries, Maler ( - 1526)
ko:1609년
Kategorie:1609
MajestätsbriefAls Majestätsbrief wurden zwei von Kaiser Rudolf II. im Jahre 1609 ausgestellte Urkunden bezeichnet, die den evangelischen Ständen des Königreichs Böhmen bzw. Schlesiens Religionsfreiheit gewährten.
Die beiden Ständegemeinden hatten die außerordentlich schwierige politische Situation des eigentlich gegenreformatorisch gesonnenen Kaisers ausgenutzt, um ihm die Ausstellung der beiden Majestätsbriefe abzutrotzen. Rudolf II. befand sich zu jener Zeit im Streit mit seinen Brüdern, die ihn vom böhmischen Thron verdrängen wollten. Mähren und Ungarn waren bereits zu Erzherzog Matthias übergegangen. In dieser Situation blieb dem Kaiser nichts anderes übrig, als den evangelischen Ständen seiner beiden wichtigsten Länder nachzugeben, wollte er nicht auch noch die Unterstützung der Böhmen und Schlesier verlieren.
Die Majestätsbriefe erlaubten neben der freien Religionsausübung aller Landeseinwohner auch die Etablierung einer protestantischen Kirchenorganisation sowie auch den evangelischen Kirchenbau, nicht nur auf den Besitzungen des Adels sondern auch im Gebiet der königlichen Kammergüter. Wegen der letzten Bestimmung kam es den folgenden Jahren zu schweren Konflikten zwischen den böhmischen Katholiken und Protestanten. Es war umstritten, ob auch die Besitzungen der katholischen Stifter - diese gehörten in Böhmen nicht zu den Ständen - als königliche Kammergüter anzusehen seien und sie deshalb den Bau evangelischer Kirchen in ihren Dörfern zulassen müssten. Die Zerstörung einer evangelischen Kirche in Klostergrab, deren Bau die Katholiken als illegal empfanden, war 1618 der Auslöser für den Prager Fenstersturz.
Als die evangelischen Oberlausitzer Stände vom Erfolg der böhmischen und schlesischen Protestanten erfuhren, wollten auch sie einen Majestätsbrief für sich erwerben. Ihre 1610/11 zu Rudolf II. nach Prag abgeschickten Gesandten wurden jedoch vom Kaiser abgewiesen. Die Oberlausitzer mussten sich mit einer von Kaiser Matthias 1612 ausgefertigten Religionsassekuration zufrieden geben, die bloß den status quo bestätigte.
Vgl. auch: Confessio Bohemica und Confoederatio Bohemica
Literatur
- Paul Konrad: Der schlesische Majestätsbrief Kaiser Rudolfs II. vom Jahre 1609 in seiner Bedeutung für das städtische Konsistorium und d. evang. Kirchengemeinden Breslaus. Breslau 1909
- Kamil Krofta: Majestát Rudolfa II. [Der Majestätsbrief Rudolfs II. Mit Faks. d. Orig.] Praha 1909
- Herrmann Knothe: Die Bemühungen der Oberlausitz um einen Majestätsbrief, 1609-1611. In: Neues Lausitzisches Magazin 64(1880)
Kategorie: Christentumsgeschichte (Reformationen)
Johannes Kepler
Friedrich Johannes Kepler (auch: Ioannes Keplerus; - 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt; † 15. November 1630 in Regensburg) war ein deutscher Naturphilosoph, Mathematiker, Astronom, Astrologe und Optiker.
Er entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung, die nach ihm Keplersche Gesetze genannt werden. In der Mathematik wurde die approximative Berechnung von numerischen Integralen nach ihm Keplersche Fassregel benannt. Auch machte er die Optik zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung.
Lebenslauf
Keplers Mutter weckte sein Interesse für Astronomie: Sie zeigte ihm den Kometen von 1577 und die Mondfinsternis von 1580. Johannes Kepler wohnte von 1579 bis 1584 mit seinen Eltern in Ellmendingen, wo sein Vater das Gasthaus "Sonne" gepachtet hatte. Trotz bescheidener familiärer Verhältnisse und einer kränklichen Natur konnte er 1589 (1591?) ein Theologiestudium am Evangelischen Stift in Tübingen beginnen. Hier studierte er bei dem Mathematiker und Astronomen Michael Mästlin und lernte das heliozentrische System der Planetenbewegungen des Nikolaus Kopernikus kennen. Während des Studiums freundete er sich mit dem Juristen Christoph Besold an.
Kepler wollte ursprünglich protestantischer Geistlicher werden; er nahm jedoch auf Grund seiner mathematischen Begabung im Jahre 1594 einen Lehrauftrag für Mathematik an der Universität Graz an. 1597 heiratete er Barbara Mühleck.
Universität Graz
Im Zuge der Gegenreformation musste die Familie 1600 Graz verlassen; er ließ sich als Assistent von Tycho Brahe in Prag nieder, dessen Nachfolger er 1601 wurde. 1611 verstarben ein Sohn und seine Frau, sie hinterließ ihm zwei Kinder. An der Universität Tübingen hielt man wenig von seinen antiaristotelischen Ansichten und ließ ihn nicht als Professor zu. Ein Jahr später nahm er eine Stelle als Mathematiker in Linz an (bis 1626). Im Jahr 1613 heiratete er Susanna Reuttinger; von den sechs Kindern, die sie ihm gebar, überlebte nur eines. Von 1615 an musste er sich um die Verteidigung seiner Mutter kümmern, die unter dem Verdacht der Hexerei eingekerkert war. (In einer Romanfigur in Keplers Schrift Somnium ("Der Traum"), der eine magische Reise zum Mond beschreibt, meinte die Anklage Keplers Mutter wiederzuerkennen.) Im Oktober 1620 konnte er ihre Freilassung durchsetzen. Dabei kam ihm ein juristisches Gutachten der Universität Tübingen zuhilfe, das wohl auf seinen Studienfreund Besold zurückgeht. Keplers Mutter verstarb schon ein Jahr später an den Folgen der Folter. In Linz häuften sich die Probleme: er hatte Schwierigkeiten, seine Geldforderungen einzutreiben, seine Bibliothek wurde zeitweise beschlagnahmt und seine Kinder zur Teilnahme an der katholischen Messe gezwungen. Die Familie flüchtete nach Ulm. Eine Professur in Rostock kam nicht zustande.
Im Jahr 1627 fand er jedoch in Albrecht von Wallenstein einen neuen Förderer. Der erwartete von Kepler zuverlässige Horoskope und stellte im Gegenzug in Schlesien eine Druckerei zur Verfügung. Als jedoch Wallenstein im August 1630 seinen Posten als Generalissimus verlor, reiste Kepler nach Regensburg. Wenige Monate später verstarb er dort im Alter von 59 Jahren; sein Grab ging in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges bald unter (sein Sterbehaus ist eine viel besuchte Gedenkstätte).
Ein Leben für die Wissenschaft
Regensburg
In seinem 1596 veröffentlichten Buch Mysterium Cosmographicum (Das Weltgeheimnis) versuchte Kepler, die Bahnen der damals bekannten fünf Planeten (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn) mit der Oberfläche der fünf platonischen Körper in Beziehung zu setzen. Die Umlaufbahn des Saturns stellte er sich dabei als Großkreis auf einer Kugel vor (noch nicht als Ellipse), welche einen Würfel (Hexaeder) umschließt. Der Würfel umschließt wiederum eine Kugel, welche die Jupiterbahn beschreiben soll (siehe Abbildung). Diese Kugel wiederum schließt Tetraeder ein, welches die Marskugel umhüllt usw. Diese Arbeit war nach Keplers Entdeckung des ersten nach ihm benannten Gesetzes - spätestens aber nach der Entdeckung entfernterer Planeten - nur noch von historischem Interesse.
Bereits in den 1590er Jahren stand Kepler mit Galileo Galilei in brieflichem Kontakt. 1600 nahm er eine Stellung als Assistent von Tycho Brahe an. Die Zusammenarbeit in Prag gestaltete sich allerdings kompliziert. Beiden war bewusst, dass sich ihre verschiedenen Begabungen ergänzten: Brahe war ein exzellenter Beobachter, seine mathematischen Fähigkeiten waren jedoch begrenzt. Der hervorragende Mathematiker Kepler hingegen konnte wegen seiner Kurzsichtigkeit kaum präzise Beobachtungen durchführen. Brahe fürchtete allerdings, mit seinem umfangreichen Lebenswerk, den Aufzeichnungen astronomischer Beobachtungen der Planeten und Hunderter Sterne, allein Keplers Ruhm zu begründen. Hinzu kam, dass Brahe die astronomischen Ansichten von Kopernikus und Kepler nur ansatzweise teilte.
Mathematiker
In seiner ersten Veröffentlichung in der neuen Stellung De Fundamentis Astrologiae Certioribus („Über zuverlässigere Grundlagen der Astrologie“, 1601) legte Kepler dar, wie die Astrologie auf sicherer Grundlage ausgeübt werden könne, indem man sie auf neue naturwissenschaftliche Grundlagen in Verbindung mit dem pythagoräischen Gedanken der Weltharmonie stellt. Auch dies war ein Affront gegen die konservativen Zeitgenossen, die der ptolemäischen Astrologie den Vorzug gaben.
Als Nachfolger Brahes erhielt Kepler vollen Zugang zu dessen Aufzeichnungen. Im Jahr 1600 war das bahnbrechende Werk des englischen Arztes William Gilbert De Magnete, Magneticisque Corporibus, et de Magno Magnete Tellure („Über den Magneten, Magnetische Körper und den großen Magneten Erde“) erschienen, dessen Theorien zur magnetischen Anziehung Kepler sofort akzeptierte. Auf diese Weise gelangte er zu der Auffassung, die Sonne übe eine in die Ferne wirkende Kraft aus, die mit wachsender Entfernung abnehme und die Planeten auf ihren Umlaufbahnen halte. Dies war zu seiner Zeit ebenso spekulativ wie die Vermutung, zwischen den Bahnen der Himmelskörper und den platonischen Körpern bestehe ein innerer Zusammenhang. Der Gedanke der Fernwirkungskraft zusammen mit der Auswertung der Brahe-Beobachtungen führte Kepler zu der Entdeckung, dass die Bahn des Mars kein Kreis, sondern eine Ellipse ist. Dies ist nicht offensichtlich, da die Bahnen der großen Planeten fast kreisförmig verlaufen. Kepler bemerkte auch, dass die Ellipse so im Raum angeordnet ist, dass einer ihrer Brennpunkte stets mit der Sonne zusammenfällt (erstes Keplersches Gesetz). Das zweite von ihm entdeckte Gesetz besagt, dass eine von der Sonne zu einem Planeten gezogene Gerade in gleichen Zeiträumen gleiche Flächen überstreicht. Das bedeutet: je weiter ein Planet von der Sonne entfernt ist, um so langsamer bewegt er sich. Diese beiden Gesetze veröffentlichte er im 1609 erschienenen Werk Astronomia Nova (Neue Astronomie).
1604 beobachtete Kepler die Supernova 1604 und veröffentlichte seine Beobachtungen im Jahr 1606 in dem Buch De Stella nova in pede Serpentarii ("Vom neuen Stern im Fuße des Schlangenträgers"). Das Auftauchen dieses „neuen“ Sterns stand im Widerspruch zu der vorherrschenden Ansicht, das Fixsterngewölbe sei auf ewig unveränderlich, und löste heftige Diskussionen in naturphilosophischen Fachkreisen aus.
Eine der bedeutendsten Arbeiten Keplers war seine Dioptrice. Mit diesem 1611 erschienenen Werk legte Kepler die Grundlagen für die gesamte Optik als Wissenschaft. Vorausgegangen war seine Schrift Ad Vitellionem Paralipomena, Quibus Astronomiae Pars Optica Traditur ( „Ergänzungen zu Witelo, in denen der optische Teil der Astronomie fortgeführt wird“, 1604), in der er frühere Vorstellungen über die Ausbreitung und Wirkung von Lichtstrahlen grundlegend änderte: nicht vom Auge geht ein Kegel aus, dessen Basis den Betrachtungsgegenstand umfasst, sondern von jedem Punkt des Objektes gehen Strahlen in alle Richtungen - einige davon erreichen durch die Pupille das Augeninnere. Ebenso wie Lichtstrahlen auf dem Weg von den Gestirnen zu uns durch die Lufthülle abgelenkt werden (atmosphärische Refraktion), werden sie auch in dem noch dichteren Medium der Augenlinse gebrochen und damit gebündelt. Damit hatte Kepler eine Erklärung für Kurzsichtigkeit und auch für die Wirkung einer Lupe oder Brille gegeben. Die Erfindung des Kepler-Fernrohres erscheint fast als ein Abfallprodukt seiner tiefgreifenden Erkenntnisse zur Brechung des Lichtes und der optischen Abbildung.
Die Veröffentlichung der Dioptrice war die mittlere in einer Serie von drei Abhandlungen, die er als Antwort auf Galileis Sidereus Nuncius verfasst hatte. In der ersten spekulierte Kepler, ob die Bahnen der Galileischen Monde gleichfalls in platonische Körper passen würden. Eine dritte Abhandlung betraf seine eigenen Beobachtungen der Jupitermonde und stützte Galileis Schlussfolgerungen. Dieser schrieb darauf zurück: „Ich danke Ihnen ... weil Sie der Einzige sind, der mir Glauben schenkt.“ Es ist kaum verwunderlich, dass er mit seinem Versuch, als Professor in seiner Studienheimat Tübingen Fuß zu fassen, keinen Erfolg hatte - Kepler war zu fortschrittlich.
In Linz (ab 1612) beschäftigte sich Kepler mit einem rein mathematischen Problem: dem Rauminhalt von Weinfässern. Weinhändler bestimmten diesen nach Faustregeln; Kepler entwickelte eine in der Antike gebräuchliche Methode weiter und setzte damit die Grundlagen für die weitergehenden Überlegungen von Bonaventura Cavalieri und Evangelista Torricelli. Die später so genannte Keplersche Fassregel machte er 1615 unter dem Titel Stereometria Doliorum Vinariorum („Stereometrie der Weinfässer“) bekannt.
Nach intensivem Studium der Daten zur Umlaufbahn des Mars entdeckte Kepler am 15. Mai 1618 das dritte der nach ihm benannten Gesetze, welches er in dem im Jahr 1619 beschriebenen Werk Harmonices Mundi libri V ("Fünf Bücher zur Harmonik der Welt") erläuterte: Danach ist das Verhältnis der dritten Potenz der durchschnittlichen Entfernung eines Planeten von der Sonne, , zum Quadrat seiner Umlaufzeit stets unveränderlich: ist für alle Planeten gleich.
T = siderische Umlaufzeit in trop. Jahren
d = große Halbachse in astronomischen Einheiten (Abstand Erde - Sonne)
Kepler sprach in diesem Werk von einem harmonischen Gesetz, da er glaubte, dass es eine musikalische Harmonie enthüllt, die der Schöpfer im Sonnensystem verewigte. Ich fühle mich von einer unaussprechlichen Verzückung ergriffen ob des göttlichen Schauspiels der himmlischen Harmonie. Denn wir sehen hier, wie Gott gleich einem menschlichen Baumeister, der Ordnung und Regel gemäß, an die Grundlegung der Welt herangetreten ist. Keplers Anschauungen entsprachen dem, was man heute als anthropisches Prinzip bezeichnet. In einem weiteren Manuskript beschrieb er eine Zusammenstellung von Übereinstimmungen zwischen der Bibel und wissenschaftlichen Sachverhalten. Auf Grund des Drucks seitens der Kirche konnte dieser Aufsatz nicht veröffentlicht werden. Derartige Auseinandersetzungen begleiteten Keplers Familie häufig.
Im Gegensatz zur Harmonie der Himmelskörper, die Kepler studierte, war diese Epoche von Hass, Angst und Intoleranz geprägt. Kepler war ein tief religiöser Mensch: Ich glaube, dass die Ursachen für die meisten Dinge in der Welt aus der Liebe Gottes zu den Menschen hergeleitet werden können. In dieser Zeit tobte der Dreißigjährige Krieg zwischen katholischen und protestantischen Parteien. Da Kepler mit keiner der beiden Seiten übereinstimmte, ja, sich sogar erlaubte, sowohl Protestanten wie Katholiken zu seinen Freunden zu zählen, musste er mit seiner Familie mehrmals fliehen, um Verfolgungen zu entkommen.
In den Jahren 1618-1621 verfasste er Epitome Astronomiae Copernicae ("Abriss der kopernikanischen Astronomie"), das seine Entdeckungen in einem Band zusammenfasste und das erste Lehrbuch der heliozentrischen Weltbildes darstellte.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte war Keplers Vorhersage eines Venustransits durch die Sonnenscheibe für das Jahr 1631. Es war dies die erste (und korrekte) Berechnung eines solchen Ereignisses. Hierzu konnte er seine zuvor entdeckten astronomischen Gesetze verwenden. Den von ihm berechneten Durchgang konnte er allerdings nicht mehr selbst beobachten (acht Jahre später war Jeremiah Horrocks erfolgreich).
Neben den astronomischen Untersuchungen verfasste Kepler einen Aufsatz zur Symmetrie von Schneeflocken. Er entdeckte, dass natürliche Kräfte - nicht nur in Schneeflocken - das Wachstum regulärer geometrischer Strukturen bewirken. Konkret bemerkte er, dass zwar jede Schneeflocke ein einzigartiges Gebilde ist, andererseits Schneeflocken bei einer Drehung um jeweils 60 Grad ihr Aussehen behalten (sechszählige Symmetrie).
Dies führte Kepler zu Berechnungen der maximalen Dichte von Kreisanordnungen und Kugelpackungen. Diese frühen Arbeiten fanden in der Neuzeit unter anderem Anwendung in der Kristallographie sowie in der Kodierungstheorie, einem Teilgebiet der Nachrichtentechnik. Kepler vermutete, dass die dichteste Art, Kugeln aufzustapeln, darin besteht, sie pyramidenförmig übereinander anzuordnen. Dies mathematisch zu beweisen wurde von Mathematikern 400 Jahre lang vergeblich versucht. (Am 8. August 1998 kündigte der Mathematiker Thomas Hales einen Beweis für Keplers Vermutung an. Auf Grund der Komplexität des Computerbeweises steht eine endgültige Überprüfung trotz jahrelanger Bemühungen angesehener Gutachter noch aus.)
Keplers Vermutung
Von Johannes Kepler stammt auch die Definition des Antiprismas.
Antiprisma
Gegen Ende seines turbulenten Lebens veröffentlichte Johannes Kepler im Jahre 1627 in Ulm sein letztes großes Werk, die Tabulae Rudolfinae (Rudolfinische Tafeln). Es wertete die Aufzeichnungen Tycho Brahes aus und beschrieb die Positionen der Planeten mit bis dahin unerreichter Genauigkeit (die mittleren Fehler waren auf etwa 1/30 der bisherigen Werte reduziert). Diese Planetentafeln sowie seine im Epitome… dargelegten himmelsmechanischen Gesetze bildeten die überzeugendste Argumentationshilfe der zeitgenössischen Heliozentriker und dienten später Isaac Newton als Grundlage zur Herleitung der Gravitationstheorie.
Hintergrund
Gravitation
Kepler zählt zu den Begründern der modernen Naturwissenschaften. Sein Leben war geprägt von tiefer Glaubensüberzeugung und sein Weltbild beruhte auf der hermetischen Tradition, die sich von Pythagoras (Harmonien im All) über Platon (Mathematik ist Alles) bis zu dem von Dionysios zitierten Hermes Trismegistos erstreckte. In dieser Tradition gab es Fernwirkungen und Harmonien, die uns mittelalterlich-okkult erscheinen mögen - für Kepler war seine Weltanschauung logisch, einfach und klar. Vor diesem Hintergrund jedoch markiert Kepler den Übergang von einer qualitativen Naturphilosophie zu quantitativen Naturwissenschaften.
Seine Entdeckung der drei Planetengesetze machte aus dem mittelalterlichen Weltbild (in dem körperlose Wesen die Planeten einschließlich Sonne in stetiger Bewegung hielten) ein dynamisches System, in dem die Sonne durch Fernwirkung die Planeten aktiv beeinflusst. Er selbst allerdings nannte sie nie „Gesetze“; sie waren in seinen Augen vielmehr Ausdruck der Weltharmonie, die der Schöpfer seinem Werk mitgegeben hatte. Und aus seiner Sicht war es auch göttliche Vorsehung, die den Theologiestudenten zum Studium der Gestirne führte. Die natürliche Welt war ihm ein Spiegel, in dem die göttlichen Ideen sichtbar werden konnten, der gottgeschaffene menschliche Geist dazu da, sie zu erkennen und zu preisen.
In diesem Sinne wollte er die Vermutungen, die Kopernikus geäußert hatte, als richtig beweisen; dies war Keplers Art von „Gottesdienst“. Dies bedeutete jedoch, dass er von dem Gedanken abging, das kopernikanische System sei lediglich ein (hypothetisches) Modell zur einfacheren Berechnung der Planetenpositionen, sondern eine physikalische Tatsache. Damit stieß Kepler nicht nur bei der katholischen Kirche, sondern auch bei protestantischen Vorgesetzten auf erbitterten Widerstand. Denn auf beiden Seiten galten die Lehren von Aristoteles und Ptolemäus als unantastbar.
Am Beginn seiner Überlegungen allerdings stand die „Erleuchtung“, die Abstände der fünf (!) Planeten von der Sonne entsprächen genau ein- und umgeschriebenen Kugeln zu den fünf (!) platonischen Körpern. Als er rechnerisch weitgehende Übereinstimmung fand, war er sicher, mittels Mathematik und Beobachtung den Bau (die „Architektur“) des Alls enthüllt zu haben.
Als Kepler im Jahr 1604 die Supernova 1604 beobachtete, sah er auch darin die Vorsehung am Werk: er stellte sie nicht nur in Zusammenhang mit der Konjunktion von Jupiter und Saturn (1603) und vermutete, der neue Stern sei durch diese ausgelöst worden. Sondern er behauptete, Gleiches habe sich beim Erscheinen des Sterns von Betlehem ereignet: auch dieser sei in Folge einer großen Planetenkonjunktion sichtbar geworden (erste naturwissenschaftliche Stern-von-Betlehem-Theorie). In gleicher Weise sei nunmehr (1604) die Wiederkunft des Herrn nicht mehr fern.
Bereits sein Werk De fundamentis... von 1601 zeigt seine genaue Kenntnis der Astrologie. Diese blieb bis an sein Lebensende ein wesentlicher Teil seiner naturphilosophischen Beschäftigung. (Es hätte ihn vielleicht befriedigt, wenn er noch erlebt hätte, wie „zuverlässig“ seine Vorhersage zu Wallensteins Schicksal im Spätwinter 1634 war.)
Ein Forscher, der solch „dunkle“ Lehren zur Grundlage seiner naturwissenschaftlichen Untersuchungen machte, musste einem Rationalisten wie Galilei zwielichtig erscheinen. Mit Galilei wechselte er zwar öfters Briefe, dieser jedoch hielt nicht viel von Keplers "fernwirkenden Kräften" und esoterischen "Harmonien". So war das Verhältnis zwischen den Beiden - manchen fachlichen Übereinstimmungen zum Trotz - eher gespannt.
Kepler aber befand sich im 17. Jahrhundert in bester Gesellschaft: noch Isaac Newton zeigte von seiner Studienzeit bis ins hohe Alter starkes Interesse an qualitativer Naturphilosophie (einschließlich Alchemie) und gelangte so zu seinen entscheidenden Überlegungen zur Schwerkraftwirkung der Massen.
Würdigungen
Da Kepler sich einige Zeit in Linz aufhielt, wurde dessen Universität ihm zu Ehren Johannes-Kepler-Universität genannt. Weiter wurden die Sternwarten in Weil der Stadt, Graz und Linz Kepler-Sternwarte benannt. Darüber hinaus tragen ein prominenter Mondkrater und ein Asteroid den Namen 'Kepler'.
[Anmerkung aus dem Vorwort zum "Lehrbuch der Mathematischen Physik - Band 1 - Klassische Dynamische Systeme" von Walter Thirring: "Ja sogar diese Keplerschen Gesetze, welche die Radien der Planetenbahnen bestimmen und die man als mystischen Unsinn gerne verschwieg, scheinen in Richtung einer Wahrheit zu deuten, die sich oberflächlicher Betrachtung verschließt: Schachtelungen vollkommener platonischer Körper führet zu Verhältnissen von Radien, die irrational sind, aber algebraischen Gleichungen niederer Ordnung genügen. Gerade solche Irrationalzahlen lassen sich am schlechtesten durch rationale approximieren, und Bahnen mit diesem Radiusverhältnis sind gegenüber gegenseitigen Störungen am robustesten, da sie am wenigsten unter Resonanzeffekten leiden."]
Werke
- Mysterium Cosmographicum. (deutsch: Das Weltgeheimnis) (Nachdruck erhältlich unter: Johannes Kepler - Was die Welt im Innersten zusammenhält. Antworten aus Schriften von Johannes Kepler (Mysterium cosmographicum, Tertius interveniens, Harmonice mundi) in deutscher Übersetzung mit einer Einleitung, Erläuterungen und Glossar herausgegeben von Fritz Krafft. MARIXVERLAG 2005)
- Harmonices Mundi. (deutsch: Die Weltharmonie) (Nachduck erhältlich unter: Johannes Kepler - Was die Welt im Innersten zusammenhält. Antworten aus Schriften von Johannes Kepler (Mysterium cosmographicum, Tertius interveniens, Harmonice mundi) in deutscher Übersetzung mit einer Einleitung, Erläuterungen und Glossar herausgegeben von Fritz Krafft. MARIXVERLAG 2005)
- Dioptrice
- Tabulae Rudolfinae. (deutsch: Die Rudolfinischen Tafeln)
- Astronomia Nova. (deutsch: Neue Astronomie) (Nachduck erhältlich unter: Johannes Kepler: Astronomia Nova : Neue, ursächlich begründete Astronomie. Hrsg. u. eingel. v. Fritz Krafft (Bibliothek des verloren gegangenen Wissens) 2005. LVIII, 576 S., MARIXVERLAG. ISBN 3865390145)
- Somnium. (deutsch: Der Traum)
- Nova stereometria doliorum vinariorum. (deutsch: Neue Stereometrie der Weinfässer)
- Von den gesicherten Grundlagen der Astrologie (Nachdruck erhältlich unter ISBN 3-925100-38-5)
Zitate
- "Wer aber soll hausen in jenen Welten, wenn sie bewohnt sein sollten? Sind wir oder sie die Herren des Alls? Und ist dies alles dem Menschen gemacht?"
- "Mir kommen die Wege, auf denen die Menschen zur Erkenntnis der himmlischen Dinge gelangen, fast ebenso bewunderungswürdig vor, wie die Natur der Dinge selber."
(Quippe mihi non multo minus admirandae videntur occasiones, quibus homines in cognationem rerum coelestium deveniunt; quam ipsa Natura rerum coelestium. Argumenta singulorum capitum, «Astronomia Nova», 1609. In: Kepler Gesammelte Werke, Band III, S.47, Zeile 19-21.)
Siehe auch
Astronomie, Bahnbestimmung, Kepler-Gleichung, Keplersche Gesetze, Linsenfernrohr, Okular, Tycho Brahe, Keplersche Fassregel
Literatur
- Joshua und Anne-Lee Gilder: Der Fall Kepler - Mord im Namen der Wissenschaft. - List, Berlin 2005, ISBN 3-47179-509-X
- Jürgen Helfricht: Astronomiegeschichte Dresdens. Hellerau Dresden 2001, ISBN 3-910184-76-6
- Johannes Hoppe: Johannes Kepler. BSB B. Teubner Verlagsgesellschaft, Leipzig 1976
- Arthur Koestler: Die Schlafwandler. Bern Wien Stuttgart 1959
- Mechthild Lemcke: Johannes Kepler. Rowohlt, 2. Auflage, Reinbek 2002, ISBN 3-499-50529-0
- Anna Maria Lombardi: Johannes Kepler - Einsichten in die himmlische Harmonie. Spektrum der Wissenschaft, Weinheim 2000
- Rosemarie Schuder: Der Sohn der Hexe - In der Mühle des Teufels. Rütten & Loening, Berlin 1968
- Wilhelm und Helga Strube: Kepler und der General. - Neues Leben, Berlin 1985
- Berthold Sutter: Der Hexenprozess gegen Katharina Kepler. 1979.
- Johannes Tralow: Kepler und der Kaiser. Verlag der Nation, Berlin 1961
Weblinks
-
- [http://www.astro.uni-bonn.de/~pbrosche/persons/pers_kepler-d.html Kepler, Johannes - Linkliste] (deutsch/englisch)
- [http://www.kepler-museum.de/d/index.php Kepler-Museum Weil der Stadt]
- [http://www.regensburg.de/museumsportal/museen/kepler_gedaechtnishaus.html Kepler-Gedächtnishaus Regensburg]
- [http://www.einstein-website.de/kepler.htm Kurzbiographie: Johannes Kepler]
- [http://www.mathematik.de/mde/presse/pressestimmen/artikel/NZZkeplervermutung.html Artikel zur Kepler-Vermutung]
- [http://www.kepler-cd.de.vu/ Online-Auftritt der Multimedia-CD über Johannes Kepler]
Gesprochene Wikipedia
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
Kepler, Johannes
als:Johannes Kepler
ja:ヨハネス・ケプラー
ko:요하네스 케플러
Keplersche GesetzeDie Keplerschen Gesetze beschreiben die Planetenbewegungen um die Sonne.
Entdeckt wurden sie von dem Astronomen Johannes Kepler, der in Tübingen studierte und in Prag, Graz und vor allem in Linz tätig war. Als früherer Assistent von Tycho Brahe hatte er Zugriff auf dessen vorzügliches Beobachtungsmaterial vom Planeten Mars.
Durch dessen stark exzentrische Bahn war Kepler in der Lage, eine verbesserte Theorie über die Form der Umlaufbahnen aufzustellen. Die beiden ersten Gesetze (Ellipsen- und Flächensatz) wurden 1609 in der Astronomia nova (Neue Astronomie) veröffentlicht, das dritte 1619 in den Harmonices mundi (Weltharmonik).
Erstes Keplersches Gesetz
1619
Die Umlaufbahn eines Planeten ist eine Ellipse, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht.
Dieses Gesetz ergibt sich aus dem Gravitationsgesetz. Die dort postulierte Abnahme der Anziehungskraft mit dem Quadrat des Abstands hat als Bahn einen Kegelschnitt zur Folge.
Ein Körper, der nicht gravitativ an das Sonnensystem gebunden ist, durchläuft es auf einer hyperbolischen Bahn und verläßt es anschließend wieder. Ein Einfang findet nicht statt, es sei denn die Bahn des Körpers wird zusätzlich durch einen Planeten gestört, sodass es sich nicht mehr um ein Zweikörperproblem handelt.
Zweites Keplersches Gesetz
hyperbolischen
(Konstanz der Flächengeschwindigkeit; Erhaltung des Drehimpulses)
Der Radiusvektor überstreicht in gleichen Zeitabschnitten gleiche Flächen.
Der Radiusvektor weist vom Zentrum der Umlaufbahn zum jeweils aktuellen Ort des umlaufenden Massekörpers ähnlich wie ein längenveränderlicher Zeiger auf dem Zifferblatt einer Uhr.
Die Konstanz der Flächengeschwindigkeit besagt nun, dass die vom Zeiger überstrichene Fläche des elliptischen
Zifferblattes für alle gleich langen Zeitabschnitte gleich groß ist. Ein Planet bewegt sich also schneller, wenn
er sich nahe an der Sonne befindet, und umso langsamer, je weiter er von der Sonne entfernt ist.
Das Zentrum der Umlaufbahn ist hierbei der gemeinsame Schwerpunkt von Zentralstern und dem betrachteten Planeten: Die
Sonne steht nicht fest in Bezug auf das Sonnensystem, sondern "eiert" ein klein wenig unter dem Einfluss der umlaufenden
Planeten. Andere Einflüsse, wie etwa die gegenseitige Anziehung (Schwerkraft) der einzelnen Planeten untereinander,
müssen vernachlässigbar klein sein, sonst ergeben sich merkliche Abweichungen von der Konstanz der
Flächengeschwindigkeit. So gilt etwa für den Merkur das geschilderte Gesetz aufgrund verschiedener Störeinflüsse nicht
streng, dort gibt es messbare Abweichungen: der Merkur beschreibt eine Rosettenbahn (siehe hierzu auch: Periheldrehung).
In einer Sekunde überstreicht die Strecke Erde–Sonne eine Fläche von über 2 Milliarden km².
Physikalisch ist das Zweite Keplersche Gesetz gleichbedeutend mit dem Drehimpuls-
Erhaltungssatz.
Drittes Keplersches Gesetz
Die Quadrate der Umlaufzeiten () je zweier Planetenbahnen sind proportional zu den dritten Potenzen ihrer großen Halbachsen (). Oder:"Die Quadrate der Umlaufzeiten entspechen den Quben der Halbachsen."
:
Kepler nannte die Bahnachsen a noch "mittlere Entfernung" von der Sonne (im Sinn des Mittels zwischen Perigäum und Apogäum).
Obwohl die drei Gesetze die Planetenbewegung nur im Zweikörperproblem exakt beschreiben, sind sie generell eine gute Näherung für die Wirklichkeit.
Die geringen Abweichungen von den Keplerbahnen werden "Bahnstörungen" genannt. Sie kommen zustande durch die Gravitation der Planeten untereinander und durch ihre Abplattungen, durch die baryzentrische Bewegung der Sonne wegen der Anziehung der Planeten und durch relativistische Effekte. Letztere zeigen sich besonders in der Periheldrehung des Merkur. Methoden zur Berücksichtigung solcher Bahnstörungen bietet die Variation der Elemente mit dem Konzept der oskulierenden Umlaufbahnen.
Berücksichtigt man die unterschiedlichen Massen zweier Planeten im Rahmen des Dreikörperproblems, so lautet die exakte Formulierung des dritten Keplerschen Gesetzes:
:
Offensichtlich gewinnt die Abweichung nur dann an Bedeutung, wenn beide Planeten sich stark in ihren Massen unterscheiden und das Zentralgestirn eine Masse M hat, die von der eines der beiden Planeten nicht sehr stark abweicht. Dennoch sind die Kepler-Gesetze, und die auf ihnen beruhenden jeweils 6 Bahnelemente, die Grundlage jeder Bahnbestimmung.
In Kombination mit dem Gravitationsgesetz erhält man unmittelbar die Umlaufzeit T eines Planeten um die Sonne:
:
mit:
:G: Gravitationskonstante
:a: große Halbachse
:M: Sonnenmasse
:m: Planetenmasse (vernachlässigbar gegenüber M)
[http://www.google.de/search?hl=de&q=sqrt%281.5e11%5E3+%2A+4%2A+3.1415%5E2%2F%286.67e-11+%2A+2e30%29&btnG=Suche&meta= Beispiel Erde (Onlinerechner): s] = 31602834 s = 365 Tage
Anima motrix
Kepler kannte das Gravitationsgesetz, das die Planeten in ihrer Umlaufbahn hält nicht. Stattdessen spekulierte er, dass von der Sonne eine magnetartige Kraft, die sog. anima motrix ausgehe, die eben diese Aufgabe erfülle. Die Beziehung der Intensität der anima motrix zu der Distanz zwischen Sonne und Planeten dachte er analog zu der Abnahme der Intensität des Lichtes bei Entfernung von einer Lichtquelle.
Intensität ∝
Licht propagiert jedoch in alle Richtungen, wobei die Wirkung der anima motrix auf die Umlaufbahn der Planeten beschränkt war.
Siehe auch
- Bahnelemente
- Ekliptik
- Newton
- Rudolfinische Tafeln
- Apsiden
Weblinks
- [http://www.eduvinet.de/gebhardt/astronomie/kepler.html Verständliche Darstellung]
- [http://www.walter-fendt.de/ph11d/kepler1.htm Java-Applet: 1. Keplersches Gesetz]
- [http://www.walter-fendt.de/ph11d/kepler2.htm Java-Applet: 2. Keplersches Gesetz]
- [http://www.physik.uni-muenchen.de/leifiphysik/web_ph11/materialseiten/m09_kepler.htm Versuche und Aufgaben]
Kategorie:Physik
Kategorie:Erkenntnis in der Geschichte der Astronomie
Kategorie:Himmelsmechanik
ja:ケプラーの法則
ko:케플러 법칙
Albrecht VII. (Habsburg)
Erzherzog Albrecht VII. von Österreich ( - 13. November 1559 in Wiener Neustadt; † 15. Juli 1621 in Brüssel) auch Albrecht der Fromme, in mancher Literatur auch Albert genannt) war Regent der spanischen Niederlande.
Leben
Albrecht VII. von Österreich wurde am 13. November 1559 als dritter Sohn des Kaisers Maximilian II. geboren. Er wurde am Hof Philipps II. von Spanien erzogen und widmete sich dem geistlichen Stand. 1577 wurde er Kardinal-Erzbischof von Toledo, von 1583 bis 1595 Vizekönig von Portugal und danach Generalgouverneur der südlichen Niederlande.
Nachdem Albrecht den geistlichen Stand verlassen hatte, heiratete er die Infantin Isabella Clara Eugenia, die 32jährige Tochter Philipps, die ihm die Niederlande als Brautschatz zubrachte mit der Bestimmung, dass dieselben an Spanien zurückfallen sollten, wenn die Ehe kinderlos bliebe. Das Paar ging in die spanischen Niederlande, wo Albrecht 1599 ab als Landesfürst regierte und zur Festigung der spanischen Herrschaft beitrug. Die Hoffnung, dass auch die abgefallenen niederländischen Provinzen sich wieder gewinnen lassen würden, schlug jedoch fehl. Am 2. Juli 1600 von Moritz von Oranien bei Nieuwpoort geschlagen, schloss Albrecht 1609 den zwölfjährigen Waffenstillstand und starb im Juli 1621 in Brüssel, kurz vor Wiederbeginn des Kriegs. Isabella Clara Eugenia blieb als Statthalterin in den Niederlanden.
Er gilt als wichtiger Mäzen der niederländischen Kunst seiner Zeit, insbesondere von Peter Paul Rubens, siehe auch: Goldenes Zeitalter (Niederlande)
Literatur
- Dubois, Histoire d'Albert et d'Isabelle (Brüss. 1847)
Weblinks
- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/meyers/servlet/showSeite?SeiteNr=0298BandNr=1&textmode=true Albrecht], in: Meyers Konversationslexikon, 4.Aufl. 1888-90, Bd.13, S.1019
Kategorie:Erzherzog
Kategorie:Kardinal (16. Jh.)
Kategorie:Achtzigjähriger Krieg (Person)
Kategorie:Habsburger
Kategorie:Österreicher
Kategorie:Geboren 1559
Kategorie:Gestorben 1621
Peter Paul Rubens
Peter Paul Rubens ( - 28. oder 29. Juni 1577 in Siegen/Westfalen; † 30. Mai 1640 in Antwerpen/Belgien) war ein flämischer Maler und einer der bekanntesten Maler des Barock.
Leben
Jugend und Elternhaus
Peter Paul Rubens wurde 1577 als Sohn des Rechtsanwalts Jan Rubens vermutlich in Siegen in Westfalen geboren. Er hatte 6 Geschwister. Der Geburtsort des Malers ist nicht dokumentiert. Die Unsicherheit hat ihren Grund darin, dass nicht einmal das genaue Datum der Geburt sicher bezeugt ist. Der 27. Juni 1577 wird als Geburtstag des Malers nur durch einen Kupferstich überliefert, der neun Jahre nach Rubens’ Tod entstand. Zwar gibt es keinen Grund, diese Angabe in Zweifel zu ziehen, aber beweisen lässt sie sich bislang nicht. Abgeleitet von dem letztlich nicht gesicherten Geburtsdatum schließt man auf den Geburtsort, da sich seine Eltern damals gezwungenermaßen in Siegen aufhielten. Rubens' Vater wurde u.a. im Gefängnis der Stadt Lüdenscheid wegen Ehebruchs mit der Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Oranien, Anna von Sachsen, gefangen gehalten.
Nach dem Tod des Vaters 1587 zog seine Mutter mit den Kindern nach Antwerpen. Nachdem er gemeinsam mit anderen Söhnen der Antwerpener Oberschicht die Lateinschule von Rumoldus Verdonck (1541–1620) besucht hatte, wurde Peter Paul Rubens als Page an den Hof von Marguerite de Ligne (1552–1611) gegeben, der Witwe von Philipp de Lalaing (1537–1582), dem Gouverneur des Hennegau.
Lehrzeit
Seit 1592 widmete er sich der Kunst und hatte nacheinander die Maler Tobias Verhaecht (auch T. Verhaegt), Adam van Noort und Otto van Veen als Lehrer. 1598 wurde er in die Malergilde zu Antwerpen aufgenommen.
Aufenthalt in Italien und Spanien
Im Mai 1600 ging er nach Italien, um dort Tizian, Veronese u. a. zu studieren. Hier wurde der Herzog Vincenzo Gonzaga von Mantua auf ihn aufmerksam, der ihn als Hofmaler nach Mantua holte.
Die Kunstschätze des Herzogs, die Fresken Giulio Romanos, die Arbeiten Mantegnas in Mantua, boten ihm die reichste Anregung für sein Schaffen. Nach längerem Aufenthalt in Rom begab sich Rubens 1603 als Überbringer kostbarer Geschenke des Herzogs an den spanischen Hof nach Madrid. 1604 zurückgekehrt, malte er ein Triptychon mit der heiligen Dreifaltigkeit für die Jesuitenkirche in Mantua. 1605 ging er nach Rom, wo er ein Altarbild für Santa Maria in Vallicella (Madonna mit sechs Heiligen) zu malen begann (1608 vollendet). 1607 besuchte er mit dem Herzog Genua, wo er die Marchesa Spinola malte, Mailand.
Rückkehr nach den Niederlanden
Die Nachricht von der Krankheit seiner Mutter rief ihn im Herbst 1608 nach Antwerpen zurück. Die Trauer über ihren Tod sowie das Versprechen der Statthalter der spanischen Niederlande, Erzherzog Albrecht und Isabella, ihn zum Hofmaler zu ernennen, hielten ihn dort fest. 1609 vermählte er sich mit Isabella Brant ( - 1591 † 1626), und 1611 gründete ein eignes prächtiges Heim, in dem er seine reiche Sammlung unterbrachte.
Sein Atelier füllte sich bald mit Schülern. Die ersten Bilder dieser Periode sind: die Anbetung der Könige (1610, Museum zu Madrid), der Altar des heil. Ildefonso (Wien), ein Werk von wunderbarer Feinheit der Ausführung und zartem Dufte der Farbe (damals begonnen, aber erst nach 1630 vollendet) und das berühmte Bild in der Alten Pinakothek zu München, welches ihn und seine Frau vorstellt, in einer Laube sitzend.
Welche Meisterschaft Rubens damals schon in dramatisch bewegten Darstellungen entfalten konnte, zeigen die Gemälde Kreuzaufrichtung von 1610 und Kreuzabnahme von 1611 (beide in der Kathedrale zu Antwerpen), in welchen noch am stärksten die Erinnerungen an Michelangelo und Caravaggio nachklingen. Von Jahr zu Jahr mehrte sich der Ruhm Rubens, sein Reichtum, seine Ehren und die Zahl seiner Schüler.
Paris
1622 rief ihn Maria de' Medici nach Paris, um ihren dort erbauten Luxembourgpalast mit Darstellungen der merkwürdigsten Begebenheiten ihres eignen Lebens zu schmücken. Rubens entwarf die Skizzen (Münchener Pinakothek) und ließ danach von seinen Schülern die Gemälde ausführen, die er überging und 1625 selbst nach Paris brachte (jetzt im Louvre).
Spanien
Nachdem Rubens schon seit 1623 als Diplomat in den Diensten der Erzherzogin Isabella zum Zweck von Friedensunterhandlungen tätig gewesen war, sandte ihn 1628 die Erzherzogin in gleicher Absicht nach Spanien.
Rubens gewann das Vertrauen des Königs, wurde Sekretär des Geheimen Rats und führte während seines Aufenthalts in Madrid mehrere Werke aus. Von Madrid wurde er unmittelbar 1629 nach London gesandt, um mit dem König über einen Frieden zwischen Spanien und England zu verhandeln.
Diesen Vorbesprechungen ist zu verdanken, dass 1630 der Friedensvertrag unterzeichnet wurde. König Karl I. von England schlug ihn deshalb zum Ritter. Auch in London war er als Maler tätig. In der Folge wurde er noch zu mehreren Staatsgeschäften gebraucht, die ihm jedoch geringere Ehren einbrachten.
Zweite Heirat
Ritter
Nach dem Tod seiner ersten Gattin vermählte er sich 1630 mit der schönen Helene Fourment, welche ihm häufig als Modell diente. In den späteren Jahren seines Wirkens entwarf er, da sich die Aufträge zu sehr häuften, fast nur noch die Skizzen selbst; die Ausführung überließ er größtenteils seinen Schülern. Bei Übernahme von Arbeiten wurde häufig ausgemacht, von welchen Schülern er sich helfen lassen dürfe. Rubens lebte jetzt bald in der Stadt, bald auf seinem Landsitz Steen bei Mecheln. Seit 1635 malte er meist Staffeleibilder von feinerer Ausführung.
Tod und Nachlass
Er starb nach längerem Leiden an der Gicht mit 62 Jahren am 30. Mai 1640 in Antwerpen. Die Stelle, wo seine Gebeine in der St. Jakobskirche zu Antwerpen ruhen, bezeichnet eines seiner Werke, welches die Madonna mit dem Kind und mehreren Heiligen darstellt.
Der Erlös aus dem Verkauf seines Nachlasses belief sich auf 1.010.000 Gulden. 1840 wurde Rubens zu Antwerpen eine von Geefs modellierte Bronzestatue gesetzt und 1877 sein 300-jähriger Geburtstag in Antwerpen und Siegen feierlich begangen.
Künstlerisches Werk
Bildsprache
Seine Bilder zeichnen sich durch eine allegorische Bildsprache voller mythologischer Symbolik aus. Dabei werden die Zeichnungen vielfach zu eigenen Werken, die die späteren Gemälde in der Formulierungskraft übertreffen. So zeichnet Rubens für die große Antwerpener Kreuzaufrichtung die Halbfigur des gekreuzigten Jesus als triumphierenden Jüngling - als eine seiner vielen "Vorratserfindungen", die er in keinem seiner Werke unterbrachte. Vergleichbarer Pathos spricht aus Prometheus, der dem Betrachter aus dem Bild entgegenrutscht, oder der tote Christus, der wie ein Stein vom Kreuze fällt. Tiefe Rätsel sprechen aus hockenden, sinnenden Frauengestalten wie Hagar oder Susanna - und viele dieser Zeichnungen verwahrte er nur für sich selbst, ohne Anderen ihre Intimität preiszugeben. Manche private Zeichnung in der Familie wirkt wie ein Schnappschuss, den nicht einmal die Betroffenen merkten.
Rubens Hauptstreben ging auf höchste Lebendigkeit der Darstellung und auf das höchste Maß von koloristischer Wirkung. Die erloschene religiöse Begeisterung suchte Rubens, ohne sich jedoch in den Dienst einer fanatischen kirchlichen Richtung zu stellen, dadurch wieder anzufachen, dass er selbst Gegenstände, deren Natur eine ruhige Darstellung erforderte, in lebhaft bewegter Weise malte.
Schnappschuss
Rubens Werke sind, mehr als die jedes anderen Malers, geprägt durch Licht und Farbenglut. Seine Freude an der sinnlichen Erscheinung bildet einen scharfen Gegensatz zu der weltentrückten Frömmigkeit der Andachtsbilder der älteren Schule; aber die sinnliche Glut seiner Farbe und das berauschende Fortissimo seiner religiösen Kompositionen kamen den katholischen Reformbestrebungen, die in erster Linie durch die Jesuiten vertreten wurden, sehr entgegen, weshalb ihn auch die Jesuiten 1620 mit der Ausschmückung ihrer Kirche in Antwerpen betrauten und er bis an sein Lebensende der bevorzugte Kirchenmaler der katholischen Welt blieb.
Die gleiche Kraft leidenschaftlicher Darstellung widmete er aber auch mythologischen Gegenständen. In der Darstellung des Nackten, in der wunderbaren Leuchtkraft der Fleischfarbe ist er unübertroffen. Er war der erste, der nicht nur ausgekleidete Modelle nachbildete, sondern Gestalten schuf, welche, wie die der Griechen und Römer, an Nacktheit gewöhnt waren.
Rubens hat etwa 1500 Bilder hinterlassen, von denen freilich ein großer Teil von Schülerhänden ausgeführt und nur von ihm ergänzt worden ist. Neben den bereits genannten religiösen Bildern ist das jetzt im Schloss Belvedere zu Wien befindliche Bild des heil. Ignaz von Loyola, der den Teufel austreibt, als eins derjenigen Werke auszuzeichnen, woraus die eigentümliche Größe von Rubens besonders hervorleuchtet.
Am herrlichsten kommt diese letztere aber zur Entfaltung in solchen Bildern, die eine dramatische Behandlung erfordern, wie die Bilder: der Sturz der rebellischen Engel, der Sturz der Verdammten, das große und kleine Jüngste Gericht, das apokalyptische Weib, die Niederlage Sanheribs und der bethlehemitische Kindermord (sämtlich in der Münchener Pinakothek). Von anderen biblischen Darstellungen sind zu nennen: das Urteil Salomos, Simson und Delila, Christus und die bußfertigen Sünder, Lot mit Frau und Töchtern von zwei Engeln aus Sodom geleitet (bei Mr. Butler zu London), zahlreiche Darstellungen der Anbetung der Könige und der Himmelfahrt Mariä (letztere zu Antwerpen, Brüssel, Düsseldorf, Wien), die Kreuzigung Petri (Peterskirche zu Köln), die Kreuzigung Christi (coup de lance, Antwerpen), die Kreuztragung Christi (Brüssel) und die heil. Cäcilia (Berlin).
Ganz frei und eigentümlich erscheint der Künstler in der Behandlung des klassischen Altertums, dem er eine große Zahl von Bildern entnahm, zum Teil aus der Göttergeschichte, besonders aus dem bacchischen Kreis (zahlreiche Bacchanalien), zum Teil aus der Heroengeschichte (Decius Mus in Wien). Hervorzuheben sind: der Raub der Töchter des Leukippos, die Amazonenschlacht und der sterbende Seneca (München), das Venusfest und Boreas und Oreithyia (Wien), Jupiter und Kallisto (Kassel), Neptun und Amphitrite, die gefesselte Andromeda und Bacchanal (Berlin), das Urteil des Paris (Madrid) und Neptun auf dem Meer (Dresden, ein Teil der unter Rubens' Leitung ausgeführten Dekorationen zum Einzug des Kardinal-Infanten Ferdinand zu Antwerpen, 1635).
Mit gleicher Wärme und Liebe umfasste Rubens die Darstellung des Naturlebens und des fröhlichen Treibens der Kinder. Das vortrefflichste Bild letzterer Art sind die sieben Kinder in der Pinakothek zu München, welche einen mächtigen Fruchtkranz tragen.
In seinen Tierbildern, die zum Teil in Gemeinschaft mit Frans Snyders entstanden sind, entfaltet Rubens ebenfalls das höchste Maß von Lebendigkeit und dramatischer Kraft. Es sind zumeist Jagden, unter denen die Löwenjagd in München, die Wolfsjagd bei Lord Ashburton, die Wildschweinsjagd in Dresden und die Hirschjagd der Diana in Berlin in erster Reihe stehen.
Auch für die Landschaftsmalerei war Rubens bahnbrechend, weil er Größe der Auffassung mit Tiefe und Kraft der Stimmung verband. Es gibt sowohl solche Landschaften von ihm, welche, mit Zuziehung einiger Motive aus der Natur aus freier Fantasie hervorgegangen, die Elemente in ihrem Aufruhr zeigen (Odysseus an der Küste der Phäaken in Florenz, Überschwemmung mit Philemon und Baucis in Wien), als solche, die den idyllischen Charakter von Rubens' reich gesegnetem Heimatsland darstellen (Landschaft mit dem Regenbogen in München, Abendlandschaft in Petersburg).
Seine wenigen Genrebilder zeichnen sich durch eine geistreiche Auffassung und eine freie Behandlung aus (Bauernkirmes und Turnier im Louvre, Bauerntanz in Madrid). Von den Konversations- und Schäferstücken existiert der Liebesgarten in vielen Exemplaren, von denen aber das Bild in Madrid, nicht das in Dresden, als das Original zu betrachten ist. Ein andres Konversationsstück befindet sich unter dem Namen "der Schlosspark" im Belvedere zu Wien.
Unter seinen zahlreichen Bildnissen gehört das Bild im Palazzo Pitti zu Florenz, bekannt unter dem Namen der vier Philosophen, welches Justus Lipsius, Ioannes Wowerius, Philipp Rubens und den Künstler selbst vorstellt, seiner frühsten Zeit an.
Ausgezeichnet sind auch die Bildnisse von Rubens und seiner Frau im Schloss zu Windsor, bedeutender aber noch sind dessen Familienporträt in der Nationalgalerie zu London, das Bild seiner Frau mit Kind in München und das Doppelbildnis seiner Söhne in der Galerie Liechtenstein zu Wien.
Eins seiner vollendetsten Bildnisse ist das des Doktors van Tulden in der Pinakothek zu München; ausgezeichnet durch sein magisches Helldunkel ist das unter dem Namen des Strohhuts bekannte Bildnis eines Mädchens in der Nationalgalerie zu London und meisterhaft in der Modellierung des Fleisches das Bildnis der nur mit einem Pelz bekleideten Helene Fourment in Wien.
Wirkung und Einfluss auf sein Umfeld
Philipp Rubens
Philipp Rubens
Wenige Künstler haben auf ihre Zeit einen so mächtigen, unwiderstehlichen Einfluss geübt wie Rubens; es gibt keinen Zweig der niederländischen Malerei, auf den er nicht bestimmend eingewirkt hätte. Er wurde schon zu Lebzeiten als Künstler-Unternehmer bewundert, und seine Werkstatt war in ganz Europa berühmt. Außerordentlich groß war daher auch die Zahl seiner Schüler.
Die bedeutendsten sind: van Dyck, Soutman, Th. van Tulden, M. Pepyn, A. Diepenbeek, C. Schut, Erasmus Quellinus II., Justus van Egmont, I. van Hoeck, etc. Außerdem aber hat er auch eine Schule von ausgezeichneten Kupferstechern herangezogen, wie Vorsterman, S. a Bolswert, Pontius etc., die seine Werke auf seine Kosten für den Verkauf in Kupfer stachen, während Chr. Jegher sie in Holz schnitt. Auch war er selbst der Radierkunst mächtig, und überdies hat er eine große Zahl von Zeichnungen für Büchertitel, Bücherverzierungen u. dgl. angefertigt. Er hat zahlreiche Handzeichnungen hinterlassen (in London, Paris und Wien).
(Mal-)Technik
Den letzteren und den Ölskizzen widmete sich im Herbst 2004 eine Ausstellung in der Wiener Albertina, die dadurch Rubens' mehrstufigen Arbeitsprozesss erhellt. Er war legendär in der "malerischen Schnellschrift" seiner Ölskizzen, durch die er zuerst seine eigene Vorstellung über geplante Werke entwickelte und dann mit Auftraggeber und Werkstatt kommunizierte.
Die Vorarbeit umfasste mindestens: gezeichnete Entwürfe, monochrome Skizzen, farbige Ölskizzen (für die figurenreiche Komposition) und Zeichnungen, welche die einzelnen Motive vergrößerten. Letztere waren die Vorgabe für die Ausführung im Gemälde oder Stich.
Die eigentliche Umsetzung erfolgte dann zum großen Teil von Werkstadtsmitgiedern, deren Arbeit fast nur noch von Rubens kontrolliert wurde. Lediglich Korrekturen wurden vom Meister noch selbst ausgeführt. Dieses wurde möglich durch die virtuose Vorarbeit der oben beschriebenen Öl-Skizzen, die dann den anderen Künstlern der Werkstatt als Blaupause diente. Diese war war für damalige Zeit nichts Ungewöhnliches. Nicht anders war auch die immense Produktivität der Werkstatt zu schaffen. Rubens machte daraus auch kein Hehl. In einer von ihm beschriebenen Auflistung seiner zum Verkauf stehenden Werke, heißt es dann auch "vom Meister selbst retuschiert". Es gab auch Bilder aus seiner Werkstatt, die nur nach seinen Skizzen gefertigt wurden ohne das Rubens daran selbst gemalt hatte. Rubens war nur in sofern ungewöhnlich, als dass er das System wie kein Anderer perfektioniert hat. Er hat sogar Kollegen Auftragsarbeiten an seinen Bildern erteilt, die sich z.B. auf Landschaften oder Blumen spezialisiert hatten. So glich seine Werkstatt schon fast einer Manufaktur.
Das Charakteristische an seiner eigentlichen Technik in seinen Bildern ist, dass Rubens immer noch im hohen Mass Holz als Bildträger benutzte, zu einem Zeitpunkt, als sich Leinwand als Bildträger weitestgehend durchgesetzt hatte. Ca. 50 % seiner Bilder sind auf Holz ausgeführt, darunter auch großformatige Werke. Das Schwierige an Holz als Bildträger war, dass nur bestes Material dafür verwendet werden konnte und dass das Zusammenfügen der Hölzer zu einer Tafel großes handwerkliches Können und Erfahrung erforderte. Rubens wird diese Arbeit nicht selbst gemacht haben, sondern darauf spezialisierte Handwerker damit beauftragt haben. Der Grund warum er Holz immer noch (gerade auch für seine Öl-Skizzen) den Vorzug gab, war, dass es einer Maltechnik entgegenkam, bei der eine glatte Oberfläche von Vorteil war, um den so charakteristischen Emaille-Effekt zu erreichen.
Die Bildtafeln und Leinwände wurden mit Kreide grundiert und glatt geschliffen. Dann folgte eine farbige Isolierung aus einem Harzbindemittel - wahrscheinlich Dammar . Zum einen sollte diese Isolierung das einsinken der oberen Malschichten verhindern, mit die Leuchtkraft der Farben erhalten bleibt und zum anderen, ließen sich die Halbschatten der Inkanate (Hautfarben) damit leichter erzielen. Der dritte Grund ist, das sich auf einem strahlend weißen Untergrund die Proportionen schlechter abschätzen lassen.
Die Untermalung war höchstwahrscheinlich eine Ei-Tempera-Ölfarbe, mit der die Motive in lockerer Manier (Stil), skizzenhaft angelegt wurden. Ein Übertrag einer kleineren Öl-Skizze des Meisters (Rubens), die zuvor mehr oder weniger detailliert ausgearbeitet war.
Darauf folgte die eigentliche Malschicht, die wohl eine Harz-Öl-Farbe war. Dieser Prozess wurde nass-in-nass gemalt ohne Zwischentrocknung. Harze wie Venezianisches Harz, verzögerten die Trocknung und beeinflussten die Alterungs-Eigenschaften noch positiv. Nur so ist zu erklären, warum die Leuchtkraft der Bilder in den Jahren so wenig nachgelassen hat und die Werksspuren (der Pinselstrich) ein so zarten "Schmelz" (weicher Verlauf) hat. Wäre das Bild in vielen Ölschichten entstanden wie z.B. bei Tizian, wäre eine stärkere Vergilbung zu beobachten.
Zum Schluss wurden noch (nach dem vollständigen Austrocknen) einige kleine Stellen überarbeitet, oder durch Übermalung verändert.
Werke
Vergilbung
(Titel (ungefähres Entstehungsdatum, heutiger Aufbewahrungsort))
- Die Beweinung (um 1608/1609, Gemäldegalerie Berlin)
- Samson und Delilah (1609/1610, London- Nationalgalerie)
- Doppelbildnis in der Geißblattlaube (um 1609/10, München, Alte Pinakothek)
- Die Kreuzaufrichtung (1610, Kathedrale Antwerpen)
- Die Kreuzabnahme (1611, Kathedrale Antwerpen)
- Tarquinius und Lukretia (1610/11, im Zweiten Weltkrieg verschollen, 2003 in Moskau im privaten Besitz wieder aufgetaucht, schwer beschädigt)
- Das große Jüngste Gericht (um 1615/16, München, Alte Pinakothek)
- Judith mit dem Haupt des Holofernes (um 1616, Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum)
- Der Raub der Töchter des Leukippos (um 1618, München, Alte Pinakothek)
- Die Amazonenschlacht (vor 1619, München, Alte Pinakothek)
- Das kleine Jüngste Gericht (um 1618-1620, München, Alte Pinakothek)
- Der Höllensturz der Verdammten (um 1620, München, Alte Pinakothek)
- Perseus and Andromeda. (um 1620-1621, St.Peterburg, Russland, The Hermitage)
- Judith mit dem Haupt des Holofernes (1620-1622, Florenz, Italien, Uffizien)
- Perseus befreit Andromeda. (1622, Gemäldegalerie Berlin)
- Der Altar des heil. Ildefonso (1630-32, Kunsthistorisches Museum in Wien)
- Der Liebesgarten, um 1632, Museo del Prado, Madrid
- Helene Fourment mit ihrem Sohn Frans (um 1635, München, Alte Pinakothek)
- Andromeda (um 1638, Gemäldegalerie Berlin)
- Landschaft mit Philemon und Baucis (1635-40, Kunsthistorisches Museum in Wien)
- Landschaft mit dem Regenbogen (um 1635, München, Alte Pinakothek)
- Schloss Steen (1635-37, London, National Gallery)
- Das Pelzchen (um 1638, Kunsthistorisches Museum in Wien)
- Bathseba am Springbrunnen (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Die Wildschweinjagd (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Hero und Leander (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Dianas Heimkehr von der Jagd (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Merkur und Argus (Dresden, Galerie Alte Meister)
- Leda mit dem Schwan (Dresden, Galerie Alte Meister)
Galerie Alte Meister
- Die Anbetung der Könige
- Der Sturz der rebellischen Engel
- Das apokalyptische Weib
- Die Niederlage Sanheribs
- Der bethlehemitische Kindermord
- Das Urteil Salomos
- Christus und die bußfertigen Sünder
- Lot mit Frau und Töchtern von zwei Engeln aus Sodom geleitet
- Die Himmelfahrt Mariä (Museum Kunstpalast, Düsseldorf)
- Die Kreuzigung Petri
- Die Kreuzigung Christi
- Die Kreuztragung Christi
- Die heil. Cäcilia (Gemäldegalerie Berlin)
- Der sterbende Seneca
- Das Venusfest und Boreas und Oreithyia
- Jupiter und Kallisto (Kassel, Galerie Alte Meister)
Galerie Alte Meister
- Neptun und Amphitrite
- Die gefesselte Andromeda und Bacchanal
- Das Urteil des Paris
- Neptun auf dem Meer
- Die sieben Kinder, die einen mächtigen Fruchtkranz tragen
- Die Löwenjagd
- Die Wolfsjagd
- Die Hirschjagd der Diana
- Odysseus an der Küste der Phäaken
- Abendlandschaft
- Bauernkirmes
- Turnier
- Bauerntanz
- Der Schlosspark
- Doktor van Tulden
- Bildnis eines Mädchens (der Strohhut)
- Venus und Adonis (um 1615, Museum Kunstpalast, Düsseldorf)
Literatur
Galerie Alte Meister
ältere Literatur:
- Bakhuizen van den Brink, Les Rubens à Siegen (Haag 1861);
- Gachard, Histoire politique et diplomatique de Rubens (Brüssel 1877);
- Génard, P. P. Rubens (Antw. 1877);
- Goeler v. Ravensburg, Rubens und die Antike (Jena 1882);
- Hymans, Histoire de la gravure dans l'école de Rubens (Brüssel 1879);
- Michel, Histoire de la vie de Rubens (Brüssel 1771);
- Michiels, Rubens et l'école d'Anvers (4. Aufl., Par. 1877);
- Rooses, Rubens en Balth. Moretus (Antwerp. 1884);
- Rooses, L'oeuvre de Rubens (das. 1887 ff., 4 Bde.);
- Rosenberg, Die Rubensstecher (Wien 1888 ff.);
- Rosenberg, Rubensbriefe (Leipz. 1881);
- Ruelens, Correspondance de Rubens (Antwerp. 1888 ff.).
- Sainsbury, Original unpublished papers illustrative of the life of Rubens (Lond. 1858);
- Waagen, Kleine Schriften (Stuttg. 1875);
neuere Literatur:
- Cotte, S., Rubens und seine Welt, Bayreuth 1980
- Warnke, M., Peter Paul Rubens Leben und Werk, Köln 1977, ISBN 3-7701-0952-X
- Baudouin, F., Peter Paul Rubens, Königstein/Taunus 1977
- Liess, R., Die Kunst des Rubens, Braunschweig 1977
- Ritter, H., Der ungemalte Atlas, FAZ 21.Sept. 2004
- Büttner, N. u. Heinen, U. (Hg.): Peter Paul Rubens. Barocke Leidenschaften. Katalog einer Ausstellung im Herzog Anton Ulrich–Museum Braunschweig. München 2004.
[Ein Großteil des Artikels basiert auf Meyers Konversationslexikon von 1888-90.]
Weblinks
-
- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/13/seite/1019/meyers_b13_s1019.html#Rubens Rubens], in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888-90, Bd. 13, S. 1019
- [http://www.bautz.de/bbkl/r/rubens_p_p.s.shtml Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon]
- [http://www.siegen.de/standard/seite.cfm?menu=Siegerlandmuseum&path0=18&seite=18&menu_top=12 Siegerlandmuseum im Oberen Schloss, Siegen]
- [http://www.rubensinwien.at/ Ausstellung "Rubens in Wien" 2004/2005]
- [http://artrenewal.org/asp/database/art.asp?aid=85 Art Renewal Center - Peter Paul Rubens]
- [http://www.malarze.walhalla.pl/galeria.php5?art=48 Art Gallery - Peter Paul Rubens]
Rubens, Peter Paul
Rubens, Peter Paul
Rubens, Peter Paul
Rubens, Peter Paul
Rubens, Peter Paul
Kategorie:Barock
ja:ピーテル・パウル・ルーベンス
ko:페터 파울 루벤스
FernrohrEin Fernrohr ist ein optisches afokales Linsensystem, mit dem man entfernte Gegenstände unter einem größeren Sehwinkel als mit dem bloßen Auge und dadurch scheinbar näher sieht.
Wie jedes Gerät, mit dem das Auge direkt beobachten soll, erzeugt das Fernrohr parallele Lichtstrahlen, die vom entspannten Auge auf der Netzhaut gesammelt werden. Da Fernrohre für die Beobachtung entfernter Objekte bestimmt sind, sind auch die einfallenden Strahlen zueinander parallel (oder fast parallel). Ein Fernrohr wandelt also einfallende Parallelstrahlen in ausfallende Parallelstrahlen, verändert also höchstens den Winkel und die Dichte dieser Strahlen. Die Veränderung des Winkels bewirkt die Vergrößerung. Die größere Dichte der Strahlen vergrößert die Helligkeit des Bildes.
Fernrohrarten
Astronomische Fernrohre
Astronomische Teleskope sind meist nicht afokal, sondern nur dann, wenn sie für die Betrachtung der Objekte mit dem Auge mit einem Okular ausgestattet sind. Allgemein benutzte man in der Astronomie früher bevorzugt Linsenfernrohre, auch als Refraktoren bezeichnet, während in neuerer Zeit alle größeren Teleskope Spiegelteleskope, also Reflektoren, sind.
Terrestrische Fernrohre
Für terrestrische Beobachtungen (z.B. Militär und Ornithologie) verwendet man
- Ferngläser. Man versteht darunter kompakte Linsenfernrohre kürzerer Brennweite mit Prismen-Systemen, die ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild liefern. Ein solches Fernglas hat meist für jedes Auge einen separaten Strahlengang (Objektiv, Prismensystem und Okular).
- Spektive. Kompakte und robuste Fernrohre zur einäugigen (monokularen) Beobachtung; Objektivdurchmesser von 50 bis 100 mm.
Linsenfernrohre und Spiegelteleskope
Linsenfernrohre und Spiegelteleskope können visuell oder auch fotografisch genutzt werden.
- Bei der visuellen Nutzung des Fernrohrs dient das Auge als Empfänger. Ein stereoskopisches Bild kann mit einem Fernrohr nicht erzeugt werden, weil Fernrohre (außer den Ferngläsern) nur ein Objektiv haben. In der Astronomie sind die Beobachtungsobjekte dafür auch zu weit entfernt, die Strahlengänge des Lichts verlaufen nahezu parallel. Allerdings werden binokulare Ansätze für das beidäugige Sehen verwendet. Diese sollen ein entspannteres Sehen ermöglichen. Allerdings muss dafür der Strahlengang aufgespaltet werden, was wiederum die Helligkeit des Bildes verringert.
- Bei der fotografischen Nutzung hat das Fernrohr die Funktion eines sehr langbrennweitigen Objektivs.
Wegen ihrer großen Brennweite und wegen ihres Gewichtes werden große Linsenfernrohre und Spiegelteleskope von Montierungen gehalten und bewegt.
Funktionsweise
Montierung
Die Funktionsweise wird hier am Beispiel eines Kepler'schen Fernrohrs erklärt:
Das Objektiv (1) erzeugt von einem weit entfernten Objekt (4) ein reelles, umgekehrtes Zwischenbild (5). Dieses wird durch das Okular (2), das wie eine Lupe wirkt, betrachtet. Dem Auge (3) erscheint daher ein vergrößertes, virtuelles Bild (6) in großer Entfernung (parallele strichlierte Strahlen). Da das Bild umgekehrt ist, wird es bei terrestrischen Fernrohren mit Hilfe von Umkehrprismen oder einer Zwischenlinse zwischen Objektiv und Okular aufgerichtet.
Vergrößerung
Die Vergrößerung eines Fernrohrs ist durch das Verhältnis der Brennweiten von Objektiv und Okular gegeben. Das heißt, ein Fernrohr mit auswechselbaren Okularen, wie es in der Astronomie üblich ist, hat keine feste Vergrößerung; je kürzer die Brennweite des verwendeten Okulars ist, desto stärker ist die resultierende Vergrößerung.
Wegen verschiedener Faktoren (siehe unten) ist eine übertrieben starke Vergrößerung sinnlos.
Die Größe der Austrittspupille ergibt sich aus dem Objektivdurchmesser geteilt durch die Vergrößerung.
Störgrößen
Beugung
Wegen der Beugung des Lichtes ist das Auflösungsvermögen des Fernrohrs durch den Durchmesser des Objektivs begrenzt. Die Vergrößerung, die das Auflösungsvermögen des Fernrohrs der des menschlichen Auges optimal anpasst, wird als nützliche Vergrößerung bezeichnet. Diese ist zahlenmäßig etwa so groß, wie die Apertur (Öffnung) des Fernrohrobjektivs in Millimetern. Bei einer stärkeren Vergrößerung erscheinen Sterne nicht als Punkte, sondern als Scheibchen, die von konzentrischen Kreisen (Beugungsringen) umgeben sind.
Qualität der Optik
Neben vermeidbaren Fertigungsfehlern hat jedes optische System systembedingt Abbildungsfehler.
Luftunruhe
Vom Boden aufsteigende erwärmte Luft aber auch ungenügend temperierte Sternwarten-Kuppeln verursachen störende Schlieren.
Vor allem im Winter und bei bestimmten Wetterlagen ist deutlich ein Szintillation genanntes Funkeln der Sterne zu sehen. Dieses wird durch in sich rotierende Konvektionszellen hervorgerufen, die durch den Wärmeaustausch zwischen kälteren und wärmeren Luftschichten entstehen. Oft erscheinen die Sterne und Planeten in kleinen Fernrohren als "wabernde Flecken"; bei fotografischen Aufnahmen werden sie unscharf. Meist bessert sich die Lage mit fortschreitender Nacht.
Astronomen nennen diesen für sie wichtigen Faktor "Seeing". Die Position eines Sterns kann durch ein schlechtes Seeing um 1" bis 3" schwanken. Ein gutes Fernrohr mit einem Auflösungsvermögen von 1", das etwa 150 mm Apertur haben muss, wird also mit seiner Qualität selten voll ausgenutzt. Bei der Beobachtung flächenhafter Objekte, wie Nebeln oder Kometen, ist das Seeing weniger von Bedeutung.
Im Weltall ist das Seeing ideal. Erst dort ist die durch Beugung bedingte Leistungsgrenze astronomischer Geräte erreichbar. Bei neuen großen erdgebundenen Teleskopen wird das Seeing durch adaptive Optik verbessert.
Stabilität der Fernrohraufstellung
Die Montierung, mit das Fernrohr gehalten und bewegt wird, begrenzt ebenfalls eine sehr starke Vergrößerung. Jede zu starke Schwingung in der Montierung macht sich als Zittern des Beobachtungsobjektes im Gesichtsfeld des Okulars bemerkbar. Die Montierung sollte also möglichst steif und schwingungsarm sein. Bei oft nur mit der Hand gehaltenen Feldstechern, werden meist nur Okulare fest eingebaut, die geringere Vergrößerungen zulassen. Bei diesen Instrumenten wird ein größerer Wert auf die Lichtstärke gelegt. Ein festes Stativ ist aber auch hier von Vorteil.
Gesichtsfeld im Fernrohr (Field of view)
Das Blickfeld wird bei Benutzung eines Fernrohrs einerseits merklich eingeschränkt, andererseits deutlicher dargeboten. Es ist umso größer, je näher das Auge zum Okular rückt - was für Brillenträger einen Nachteil darstellt. Daher sollte man bei längerer Beobachtungszeit die Brille abnehmen oder zumindest ein gummibewehrtes Okular kaufen.
In der Astronomie stört das restliche, etwa ringförmige Gesichtsfeld außerhalb des Teleskops. Es wird durch Augenmuscheln aus weichem Gummi abgedeckt, die gleichzeitig dem Auge die Entspannung erleichtern.
Wahres Gesichtsfeld
nennt man das mit einem Fernrohr tatsächlich überschaubare Himmelsfeld. Bei üblichen Fernrohren ist es kleiner als 1 Grad, bei astronomischen etwa Mondgröße (halbes Grad). Feldstecher haben 5 - 10°, Aussichtsfernrohre einige Grad.
Das wahre Gesichtsfeld hängt hauptsächlich von der Vergrößerung des Teleskops ab, doch auch von der Bauart des Okulars (v.a. von den Blenden, der augenseitigen Linse und der Länge des ganzen Linsensystems).
Scheinbares Gesichtsfeld
So heißt jener Raumbereich, den man im Okular überblickt. Zweilinsige Okulare haben 25 - 50°, teurere Weitwinkelokulare bis über 70°. Hat ein Okular z.B. 50° scheinbares Gesichtsfeld, dann hätte ein Fernrohr mit 50-facher Vergrößerung ein wahres von genau 1 Grad.
Einfache Messung des FOV
Das scheinbare Gesichtsfeld eines Okulars kann jeder leicht mit einem Winkelmesser oder einem Kompass bestimmen:
Man blickt durch das Okular, hält das zweite Auge offen und merkt sich, wo die Ränder des Gesichtskreises liegen. Dies sollte aber im Freien - oder zumindest in einem sehr großen Raum - geschehen.
Das wahre Gesichtsfeld folgt aus dem obigen mittels Division durch die Vergrößerung.
Man kann aber auch die Sonne (nur mit Filter!) oder den Mond benutzen. Deren "Scheiben" sind mit rund ½° fast gleichgroß, variieren aber etwas mit der Jahreszeit und der Mondbahn:
Sonne 31,5' bis 32,6' (0,525 - 0,544°), Mond etwa 29' bis 33'.
Am genauesten wird eine Messung mittels Sternen: wir suchen einen äquatornahen Stern (z.B. im Süden in etwa 40° Höhe; genauer 90° minus Breite) und stoppen, wie lange er durch das Gesichtsfeld braucht.
Die (dezimalen) Minuten sind durch 4 zu teilen. Dauert der Stern-Durchgang also 2,4 Minuten, hat das Teleskop ein Gesichtsfeld von Ø = 0,60°.
Entfernungs-Schätzung
Kennt man diesen Wert, lassen sich Entfernungen schätzen: Wenn z.B. eine stehende Person von 1,70 m unsere 0,60° gerade ausfüllt, ist sie 1,70 / sin(Ø) = 162 m von uns entfernt. Jäger, Seeleute und Militär verwenden dafür auch Fernrohre oder Feldstecher mit Skalen - doch gibt es nützliche Faustregeln.
Wer daher das geschilderte Verfahren perfektionieren will, könnte es zunächst an einem Feldstecher erproben. Bessere Geräte geben die Grad (bzw. die Meter auf 1000 m Distanz) an.
Siehe auch: Sonnenbeobachtung, Fernrohr (Sternbild), Teleskop, Mikroskop
Kategorie:Astronomisches Instrument
Kategorie:Optisches Instrument
Samuel de ChamplainSamuel de Champlain ( - 1567 in Brouage nahe Rochefort; † 25. Dezember 1635 Québec) war ein französischer Forschungsreisender und Kolonisator.
Kolonisator
Kolonisator
Er ist der Gründer von Französisch Kanada (Neufrankreich) und wurde erster Gouverneur der Kolonie.
Samuel de Champlain kam 1603 erstmalig nach Kanada. 1608 gründete er die Stadt Québec, die Hauptstadt der damaligen französischen Kolonie Neufrankreich. 1609 entdeckte er den nach ihm benannten Champlain-See in Vermont und dem heutigen Bundesstaat New York. 1611 gründete er den Handelsposten Place Royale, aus dem sich das spätere Montréal entwickelte. Den Huronsee entdeckte er im Jahre 1615. Als „Generalstatthalter in Neufrankreich“ beanspruchte er Anfang des 17. Jahrhunderts viele Gebiete nördlich der britischen Kolonie Neuengland für Frankreich. Bekannt wurde er auch für seine Erkundung des St. Lorenz-Stroms an der heutigen Grenze zwischen den USA und Kanada. 1627 wurde Champlain zum Gouverneur von Neufrankreich ernannt. Er verstärkte auf Veranlassung von Kardinal Richelieu die französischen Siedlungsbestrebungen in Akadien. 1632 kam es dann dank Champlain zum Vertrag von St. Germain en Laye, der Bestätigung des französischen Anspruches auf Akadien und Québec (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Vertrag, Österreich, 1919).
Literatur
- Samuel Eliot Morison: Samuel de Champlain: Father of New France. – Little Brown, 1972. – ISBN 0316583995
- Raymonde Litalien und Denis Vaugeois (Hrsg.): Champlain : The Birth of French America. – McGill-Queen's University Press, 2004. – ISBN 0773528504
- Marcel Trudel: Champlain, Samuel de. In: Dictionary of Canadian Biography, Band 1 (1000–1700), (1966; reprinted with corrections 1979), siehe Weblinks
- Cicero T. Ritchie: The First Canadian: The Story of Champlain. – New York : St. Martin's Press, 1962
Filme
- Champlain, 1964, Regie: Denys Arcand
Weblinks
-
- [http://www.biographi.ca/EN/ShowBio.asp?BioId=34237 Champlain in Dictionary of Canadian Biography]
Champlain, Samuel de
Champlain, Samuel de
Champlain, Samuel de
Champlain, Samuel de
Champlain, Samuel de
Champlain, Samuel de
ja:サミュエル・ド・シャンプラン
Henry HudsonHenry Hudson ( - um 1565; † um 1611), war ein englischer Seefahrer, der Berühmtheit durch vier Entdeckungsreisen erlangte. Der Hudson River und die Hudson Bay, ein Fluss im östlichen Teil des Bundesstaates New York und eine große Meeresbucht Nordamerikas, sind nach ihm benannt.
Leben
Über Hudsons junge Jahre ist wenig bekannt. 1607 unternahm er seine erste Expedition im Auftrag der English Muscovy Company. Mit einem einzigen Schiff (Hopewell) kam Hudson bis an die Küste von Grönland und Spitzbergen (Svalbard) und entdeckte die Insel Jan Mayen bei dem Versuch, eine Nordostpassage vom Nordpolarmeer bis zum Fernen Osten zu finden. Im darauf folgenden Jahr versuchte er, wiederum erfolglos, die Passage zu finden, diesmal über Nowaja Semlja in der Barentssee. Im Dienst der holländischen Vereinigten Ostindischen Kompanie stach er 1609 von der holländischen Insel Texel mit dem Schiff Halve Maen (Halbmond) zu seiner dritten Reise in See. Hudson nahm die Erforschung der Gewässer vor Nowaja Semlja wieder auf und suchte eine Durchfahrt durch das Eis, wogegen die Besatzung rebellierte. Sie segelten deshalb nach Westen, dann nach Süden an Nova Scotia vorbei und an der nordamerikanischen Küste entlang. Im September 1609 drang Hudson erstmals in die Bucht von New York vor und nutzte den folgenden Monat zur Erforschung des Hudson (bis in die Gegend der heutigen Stadt Albany, etwa 240 Kilometer nördlich der heutigen Stadt New York).
1610 stach Hudson zu seiner letzten Reise im Auftrag einer neu gegründeten Gesellschaft englischer Geschäftsleute in See. Mit seinem Schiff Discovery war er auf der Suche nach einer Nordwestpassage. Er erreichte die Hudsonstraße Mitte des Jahres und fuhr in die Hudson Bay ein. Hier verbrachte er die drei folgenden Monate mit der Erforschung der östlichen Inseln und Küsten. In der Annahme, im Pazifik zu sein, segelte er nach Süden bis zur James Bay. Im November saß sein Schiff im Eis fest. Ein Winter äußerster Entbehrungen und Kälte führte zum Streit innerhalb der Besatzung.
1611 wurden Hudson, sein Sohn und sieben weitere Besatzungsmitglieder in einem kleinen Boot ausgesetzt und blieben danach verschollen.
Hudson, Henry
Hudson, Henry
Hudson, Henry
Hudson, Henry
Hudson, Henry
Hudson, Henry
Hudson River
Der Hudson River ist ein 493 km langer Fluss im Osten der USA (Nordamerika).
Flusslauf
Der Hudson entspringt im US-Bundesstaat New York in den Adirondacks. Von dort fließt er überwiegend in südlicher Richtung durch diesen Staat und nimmt bei Albany das Wasser des Mohawk River auf. Nur im Unterlauf bildet er teilweise die Grenze zum Nachbarstaat New Jersey und erreicht unter anderen New York City. Den Atlantik erreicht er zwischen der Insel Manhattan und New Jersey.
Der Hudson entwässert zusammen mit seinen Nebenflüssen, insbesondere mit dem Mohawk River, ein großes Gebiet im Osten der USA. Der Fluss ist flussaufwärts bis Albany schiffbar. Der im 19. Jahrhundert gebaute Eriekanal verbindet den Hudson mit dem Eriesee. Er ist über ein Kanalsystem mit dem Champlainsee verbunden.
Wegen der atemberaubenden Schönheit des Hudsontals wurde dem Hudson River die Bezeichnung Der Rhein Amerikas verliehen.
Geschichte
Der Hudson River wurde 1524 von dem Italiener Giovanni da Verrazano entdeckt und nach Henry Hudson benannt, einem englischen Seefahrer, der ihn 1609 erkundet hat.
Weblinks
- [http://www.travelhudsonvalley.org/ Hudson Valley Tourism]
- [http://www.hudsonrivervalley.com/ Hudson River Valley National Heritage Area]
Kategorie:Fluss in den USA
Kategorie:New York State
Kategorie:New York City
ja:ハドソン川
Kategorie:Geboren 1609
18. FebruarDer 18. Februar (österr. Feber) ist der 49. Tag des Gregorianischen Kalenders.
Ereignisse
- 1478 - George, Duke of Clarence, Rivale von Richard III., wird in einem Weinfass ertränkt.
- 1685 - Fort St. Louis in Texas wird durch die Franzosen gegründet.
- 1814 - Napoléon Bonaparte siegt mit 30.000 Mann in der Schlacht bei Montereau gegen die verbündeten Österreicher und Westfalen.
- 1841 - Der erste Filibuster im US-Senat beginnt und dauert bis zum 11. März.
- 1853 - ein missglücktes Attentat auf Kaiser Franz Joseph in Wien.
- 1856 - Die ausländerfeindliche Know-Nothing-Bewegung nominiert in Philadelphia ihren ersten Präsidentschaftskandidaten, den früheren Präsidenten Millard Fillmore.
- 1861 - Viktor Emanuel von Savoyen wird König von Italien.
- 1878 - Der Lincoln County Krieg beginnt in New Mexico und bringt Billy the Kid zweifelhaften Ruhm.
- 1913 - Raymond Poincaré wird französischer Präsident.
- 1916 - Die letzten deutschen Soldaten in Kamerun strecken die Waffen.
- 1930 - Clyde Tombaugh entdeckt den Planeten Pluto auf Photografien, die im Januar gemacht wurden.
- 1932 - Japan erklärt die Unabhängigkeit der Mandschurei von China.
- 1943 - Die Mitglieder der Weißen Rose Hans und Sophie Scholl werden beim Verteilen von Flugblättern an der Münchner Universität beobachtet und verhaftet.
- 1943 - NS-Propagandaminister Joseph Goebbels fordert in einer Rede im Berliner Sportpalast den "totalen Krieg" (siehe: Sportpalastrede).
- 1948 - Eamon de Valera tritt als Taoiseach - gälisch für Häuptling beziehungsweise den irischen Premierminister - zurück.
- 1952 - Griechenland und Türkei treten der NATO bei.
- 1952 - Der erste 3D-Film, Bwana Devil wird gezeigt.
- 1956 - Afghanistan. Neues Wirtschaftshilfeabkommen mit den USA
- 1956 - Deutschland schließt Warenabkommen mit Ägypten
- 1965 - Gambia wird von Großbritannien unabhängig.
- 1972 - Der kalifornische Supreme Court schafft die Todesstrafe ab und wandelt alle anhängigen Vollstreckungen in lebenslange Haft um.
- 1977 - Die Raumfähre Enterprise tritt ihren Jungfernflug auf dem Rücken einer Boeing 747 an.
- 1987 - Deutschland. Philipp Jenninger wird zum Bundestagspräsidenten gewählt.
- 1997 - Freundschaftsvertrag zwischen Aserbaidschan und Georgien.
- 2000 - Stjepan Mesic wird Staatspräsident in Kroatien
Kultur
- 1706 - Uraufführung der Oper Alcione von Marin Marais an der Grand Opéra Paris.
- 1860 - Uraufführung der Oper Philémon et Baucis von Charles Gounod in Paris.
- 1885 - Mark Twains Die Abenteuer des Huckleberry Finn erscheint in der Erstausgabe.
- 1921 - Uraufführung der Operette Die Tanzgräfin von Robert Stolz am Wallner Theater in Berlin.
- 2001 - In Berlin gewinnt der französische Regisseur Patrice Chéreau den Goldenen Bären bei den Internationalen Filmfestspielen.
Katastrophen
- 1942 - Der Zerstörer "Truxtun" (USA) strandet bei schlechtem Wetter während eines Geleiteinsatzes in der | | |